Dr. Susanne Krömker (Fachgebiet Computervisualisierung)
Leiterin der Arbeitsgruppe Visualisierung und Numerische Geometrie am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Universität Heidelberg
Zur Informatik kam Susanne Krömker; als sie ihr Diplom in Mathematik machte: Bei der Suche nach einem geeigneten Programm zur Visualisierung ihrer Diplomarbeit stieß sie auf einen Grafikrechner, der ihr dafür vielfältige Möglichkeiten bot. Heute ist sie Leiterin der Arbeitsgruppe Visualisierung und Numerische Geometrie am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Universität Heidelberg - ihr Fachgebiet ist die Computervisualisierung.
Motto: "Doch das Paradies ist versiegelt und der Cherub hinter uns; wir müssen die Reise um die Welt machen, und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist." (Heinrich von Kleist, Marionettentheater)
Frau Krömker, wie sind Sie zur Informatik gekommen?
Ursprünglich wollte ich Kunst studieren, hatte aber gleichzeitig auch ein großes Interesse an Naturwissenschaften und habe mich schließlich für Mathematik entschieden. Der hohe Grad an Abstraktion und das Erkennen einer klaren Struktur haben eine starke Faszination auf mich ausgeübt.
Zur Informatik kam ich eher über den Umweg, dass ich für die Visualisierung meiner Ergebnisse aus der Diplomarbeit kein sinnvolles Programm zur Verfügung hatte. Gleichzeitig wurde am Sonderforschungsbereich gerade ein spezieller Grafikrechner angeschafft, mit dem sich noch niemand wirklich auskannte. Als wissenschaftliche Hilfskraft habe ich mich intensiv mit dem Rechner befasst und war fasziniert von den Möglichkeiten, die sich mir dadurch boten.
Inzwischen leiten Sie am IWR die Arbeitsgruppe Visualisierung und Numerische Geometrie. was genau sind dort Ihre Aufgaben?
Meine Aufgaben sind vielfältig, da Visualisierung in jeder Fachrichtung angewendet wird. Bilder eignen sich dabei besonders gut, um sich zwischen den Einzeldisziplinen besser über die Sachverhalte zu verständigen.
Architektur ist ein Beispiel für die Visualisierung dreidimensionaler Objekte am Computer. Innerhalb eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Einzelprojekts haben wir uns ausführlich mit einer Besonderheit islamischer Architektur befasst: Muqarnas. Diese aus einfachen Modulen zusammengesetzten komplexen Stalaktitengewölbe haben wir auf ihre mathematischen Strukturen untersucht und mit diesen Regeln algorithmisch rekonstruiert. Außerdem haben wir Anfang 2005 die Projektgruppe Angkor für Studierende der Universität Heidelberg und der University in Phnom Penh ins Leben gerufen, wo wir uns unter anderem mit der Rekonstruktion von Tempelanlagen in Kambodscha befassen. Auf der Basis unserer Daten können Restaurierungs- oder auch Wiederaufbauarbeiten durchgeführt werden. Zudem sind sie auch für virtuelle Museumsausstellungen attraktiv.
Architektur aufgrund von archäologischen Untersuchungen und kunsthistorischen Hypothesen zu rekonstruieren ist eine Herausforderung, die eine enge Zusammenarbeit mit den Geisteswissenschaften nötig macht. Es ist also eine recht interdisziplinäre Angelegenheit und zudem ist es schön, an der Restaurierung und dem Erhalt eines Weltkulturerbes mitzuwirken.
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Während des Semesters halte ich Vorlesungen oder gebe Seminare über spezielle Themen der Computergrafik. Ich vergebe Aufgaben im Rahmen von Softwarepraktika, Themen für Bachelor-Arbeiten oder betreue Diplomarbeiten und Dissertationen innerhalb der Projekte, die mit Computergrafik zu tun haben. Ich organisiere Workshops und Studienaufenthalte für ausländische Gaststudentinnen und -studenten, lade zu Vorträgen nach Heidelberg ein oder halte selbst Gastvorträge an anderen Universitäten.
In meinem Beruf kann ich einen Bereich gestalten, meine Persönlichkeit einbringen und habe mit vielen Studierenden Kontakt, was eine junge und kreative Atmosphäre bedeutet. Zudem bin ich heute über den Umweg der Computergrafik meinem ursprünglichen Wunsch nach visueller Gestaltung wieder sehr nah und kann außerdem viel kreativer in die Entwicklung der Thematik eingreifen.
Wer hat Sie in Ihrem beruflichen Werdegang besonders unterstützt?
Mein beruflicher Werdegang wurde in entscheidenden Momenten von der Unterstützung durch meine Großmutter, durch die Studienstiftung und durch meinen Doktorvater beeinflusst: Meine Oma gab mir den Mut, das gewohnte Umfeld zu verlassen und allein in eine weit entfernte Universitätsstadt zu gehen. Die Studienstiftung bot mir erstklassige Kontakte und den finanziellen Rahmen für meine Ziele und mein Doktorvater gab mir die wissenschaftlichen Themen und ein freies Umfeld, meine eigenen Ideen umzusetzen.
Was ist in Ihrem Beruf die größte Herausforderung?
Die größte Herausforderung ist immer wieder, neu anzufangen. Das gilt im besonderen Maße für eine im Vergleich zu anderen Fachrichtungen junge Disziplin wie Informatik. Was gestern noch galt, hat sich morgen überholt. Es macht Spaß, sich an dieser Entwicklung aktiv zu beteiligen.
Weitere Informationen über die Arbeit von Susanne Krömker gibt es auf der Website www.iwr.uni-heidelberg.de/~Susanne.Kroemker . Und zum Thema Computervisualisierung findest Du z.B. unter www.igd.fhg.de hilfreiche Tipps.











