Antje Grande (Fachgebiet Umweltinformatik)
Umweltwissenschaftlerin und Entwicklerin Geografischer Informationssysteme
Ihr Abitur machte Antje Grande, 27, mit den Leistungskursen Deutsch und Geschichte. Informatik hatte sie weder als Fach, noch nahm sie an einer Arbeitsgruppe teil. Erst während des Studiums der Umweltwissenschaften an der Universität Lüneburg stellte sie fest, dass die Paarung Umweltwissenschaften und Informatik genau ihren Interessen entsprach. Seit 2005 ist sie bei der Firma Giscon Geoinformatik GmbH in Braunschweig beschäftigt und arbeitet dort an der Entwicklung von Geografischen Informationssystemen (GIS).
Antje, wie sind Sie darauf gekommen, Ihr Studium der Umweltwissenschaften mit der Informatik zu verbinden?
Durch Zufall. Ich habe während des Studiums der Umweltwissenschaften eine Wahlpflichtveranstaltung im Bereich Umweltinformatik besucht und festgestellt, dass das genau das ist, was ich machen möchte.
Sie arbeiten mittlerweile bei der Firma GISCON Geoinformatik - was sind dort Ihre Aufgaben?
GISCON bietet Beratungen, Schulungen und Dienstleistungen rund um Geografische Informationssysteme (GIS) an. Mein Haupttätigkeitsbereich liegt in der Konzipierung und Entwicklung von Internet-GIS-Anwendungen sowie der Kundinnen- und Kundenbetreuung und der Schulung von Nutzerinnen und Nutzern.
Was genau sind Geografische Informationssysteme und wozu werden sie benötigt?
Vereinfacht ausgedrückt werden als GIS Systeme bezeichnet, die Informationen die einen räumlichen Bezug haben (bei denen es also wichtig ist, wo sie stattfinden), erfassen, aufbereiten und speichern können. Wichtig ist dabei zunächst die Bestimmung der Position, die heute zumeist über Satelliten erfolgt. Hinzu kommt die Nutzung von Datensätzen aus Mess- und Beobachtungsmessnetzen, die beispielsweise umweltrelevante, wirtschaftliche oder soziale Informationen beinhalten. Mit einem GIS ist es möglich, die unterschiedlichen Datensätze untereinander so zu verknüpfen, dass interessante, ortsbezogene Informationen dabei herauskommen, die durch ein GIS zudem noch grafisch dargestellt werden können.
Eigentlich ist die Anwendung von GIS in allen Bereichen notwendig: Umweltschutzmaßnahmen, Stadt- und Landschaftsbau oder auch Verkehrswege können nur sinnvoll geplant werden, wenn die an diesem Ort bestehende spezifische Situation in die Planung einbezogen wird. Eine Müllhalde sollte beispielsweise nicht in der Nähe eines Naturschutzgebietes oder Wohngebietes gebaut werden oder dort, wo das Grundwasser verunreinigt werden könnte. Viele andere Faktoren spielen da auch noch eine Rolle, die mit GIS abgefragt werden können.
Wie müssen wir uns Ihren Arbeitsalltag vorstellen?
Mein Arbeitsalltag besteht zu 70 bis 80 Prozent aus Büroarbeit. Einen Großteil dieser Zeit programmiere ich, in der übrigen Zeit übernehme ich konzeptionelle Arbeiten sowie die Kundinnen- und Kundenbetreuung oder -beratung. Die verbleibenden 20 bis 30 Prozent sind Termine - das können Schulungen sein, die ich gebe, oder Abstimmungsgespräche mit Kundinnen und Kunden, Vor-Ort-Support und Ähnliches.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf besonders?
An meinem Beruf mag ich besonders die Entwicklungsarbeit: Man plant zunächst etwas, man fängt an, es umzusetzen - man hängt irgendwo, muss tüfteln, suchen, probieren - plötzlich geht es weiter, man hat die Lösung gefunden! Dieses Gefühl ist unbeschreiblich! Auch das Abschließen eines Projektes hat etwas - es ist der handwerkliche Aspekt an meinem Beruf: Man hat etwas geschaffen, das von anderen genutzt werden kann.
Was waren für Sie die größten Herausforderungen im Job?
Eine große Herausforderung war für mich das Lernen einer Programmiersprache, da dies nicht Bestandteil meines Studiums war. Eine weitere große Herausforderung liegt in der ständigen Weiterentwicklung meines Arbeitsbereichs - man muss immer am Ball bleiben. Das genau macht aber einen sehr großen Teil des Reizes aus, den dieser Beruf für mich bedeutet!
Welchen Rat würden Sie einer interessierten Schülerin mit auf den Weg geben?
Umgucken, Praktika machen! Informatik lernst du noch viel weniger im Hörsaal als andere Fächer. Die Theorie, also die Konzepte der Softwareentwicklung und die möglichen Herangehensweisen, ist immens wichtig, keine Frage. Aber die Umsetzung - was das für die tägliche Arbeit bedeutet, wie ich damit umgehe -, das lernt man nur in der Praxis. Außerdem sind Praktika wirklich wichtig, um Kontakte für einen späteren Job zu kriegen.
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