Kristina Scherbaum (Studentin der Informatik, Schwerpunkt Computergrafik)
In ihrem Beruf als Mediengestalterin hatte Kristina Scherbaum, 27, immer gerne gearbeitet und zur Vertiefung an ihre Ausbildung noch ein Studium der Audiovisuellen Medien angeschlossen. Doch dann wollte sie irgendwann wissen, welche Technik hinter den Programmen steckt, mit denen sie tagtäglich arbeitete. Nach einem Praxissemester am Max-Planck-Institut für Informatik entschloss sie sich deshalb, das Master-Studium Informatik mit dem Schwerpunkt Computergrafik an der Universität des Saarlandes zu absolvieren.
Kristina, warum hast du dich für ein Informatikstudium entschieden?
In der Schulzeit hatte ich zwar schon Interesse an Technik und Mathematik, gleichzeitig aber auch ein sehr großes Interesse an gestalterisch-kreativen Aufgaben. Deswegen machte ich eine Ausbildung zur Mediengestalterin, und im Anschluss studierte ich an der Fachhochschule Stuttgart Audiovisuelle Medien. Durch die Arbeit mit 3D-Programmen wurde mein Interesse für die zugrunde liegende Technik geweckt. Also machte ich mein Praxissemester am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken in der Arbeitsgruppe Computergrafik. Ich war völlig beeindruckt von den Möglichkeiten, die die Computergrafik bietet und entschloss mich deshalb, Informatik mit diesem Schwerpunkt zu studieren. Meinen Fachhochschulabschluss in Audiovisuelle Medien hatte ich zu dieser Zeit bereits, so dass ich direkt ins Master-Studium einsteigen konnte.
Als Computergrafik wird die Analyse und Synthese von dreidimensionalen und zweidimensionalen Daten und deren Umsetzung in Bilder bezeichnet. Wo liegt da dein Schwerpunkt?
Während meiner Arbeit am Max-Planck-Institut und meiner FH-Diplomarbeit dort habe ich in Zusammenarbeit mit meinem Betreuer ein Alterungs-Prognose-System entwickelt. Aus einzelnen Bildern können wir eine lernbasierte Vorhersage der Gesichtsalterung machen - also zum Beispiel von einem Babyfoto eines vermissten Kindes eine Vorhersage anstellen, wie das Kind in 20 Jahren aussieht. Natürlich sind Eigenschaften wie zum Beispiel das Körpergewicht nicht vorhersagbar - aber auf Basis der bestehenden Physiognomie lassen sich eine Schätzung der Gesichtsform berechnen und verschiedene Körpergewichtswerte simulieren.
Viele junge Frauen denken, dass ein Studium der Informatik nur mit Vorkenntnissen in Programmiersprachen und Top-Noten in Mathematik zu bewältigen ist. Was sagst du dazu?
Mein persönlicher Eindruck ist, dass ein Interesse an Mathematik und Technik definitiv vonnöten ist. Das Informatikstudium besteht zu großen Teilen aus Mathematik - häufig allerdings angewandter Mathematik. Vorkenntnisse sind von großem Vorteil, ebenso wie der Spaß am Knobeln. Allerdings bin ich nicht der Meinung, dass Programmierkenntnisse notwendig sind. Die Grundlagen hierzu werden im Grundstudium detailliert vermittelt und geübt. Ich persönlich hatte gute Grundlagen in Mathematik, aber nahezu keine Vorkenntnisse in Programmiersprachen und Informatik.
Wie sieht dein Studienalltag aus?
Im Master-Studiengang kann ich zwischen theoretischen und praktischen Vertiefungsfächern wählen. Die Grundlagen der höheren Mathematik werden hier vorausgesetzt. Meistens wähle ich eine Kombination aus Stammvorlesungen, Vertiefungsvorlesungen und Seminaren. Stammvorlesungen geben einen fundierten Einblick und auch Überblick über bestimmte Fachgebiete. Durch häufige Übungen in Gruppenarbeit lernt man fundamentale Techniken anzuwenden. Vertiefungsvorlesungen setzen meistens ein Vorwissen in einem Fachgebiet voraus und bauen darauf auf - oft auch mit praktischen Programmierübungen. Eine gute Ergänzung dazu bieten Seminare. Dort lernt man, sich mit einem speziellen Themengebiet zu befassen und darüber zu referieren oder zu schreiben - in der Regel auf Englisch. Was ich persönlich als besonders eindrucksvoll empfinde, ist, dass ich keine einzige Vorlesung in deutscher Sprache mehr höre. Alle Vorlesungen, Übungen und meistens auch Klausuren werden in englischer Sprache absolviert. Das ist ein hervorragendes Training für den späteren Berufsweg.
Wie ist die Situation als eine der wenigen Frauen im Informatikstudium?
Sehr positiv. Ich kann über keine negativen Erfahrungen berichten. Übrigens wächst der Frauenanteil stetig - in den Vorlesungen, die ich besuche, sitzen zu ca. 25 Prozent Frauen.
Stört es dich, dass Berufe im Bereich Informatik/IT immer noch als so genannte ´Männerberufe´ gelten?
Nein, eigentlich gar nicht. Und eigentlich ist mir auch nicht klar, warum der Frauenanteil so gering ist - ich wüsste zumindest keinen Grund.
Weitere Informationen zur Arbeit von Kristina Scherbaum gibt es unter www.mpi-inf.mpg.de/~scherbaum.











